Kulturelle Navigation – genauso wichtig wie technische Navigation
In streng religiösen Staaten reichte es nie, einen Vorfall nur formal zu erklären. Wenn eine erschöpfte Crew nach einem langen Flug unbeabsichtigt eine kulturelle Grenze überschritt und die Lage sich zuspitzte, war nicht die Frage, wer „recht“ hatte, sondern wie man:
- die Situation rasch beruhigt,
- Vertrauen wieder aufbaut,
- und eine Lösung findet, die das Gesicht aller Beteiligten wahrt.
Dass ich in vielen Ländern der arabischen und zentralafrikanischen Luftfahrtwelt als Deutscher auftrat – und nicht als Amerikaner – war dabei ein echter Vorteil. Ich wurde dort häufig als gesetzt angesehen: als jemand, dessen Auftreten respektvoll, kultursensibel und persönlich verbindlich ist. Vertrauen ist in diesen Regionen der eigentliche operative Türöffner.
Diplomatie in der Luftfahrt – wenn Transaktionen politisch werden
Manche Einsätze hatten wenig mit Routinebetrieb zu tun. Ein Beispiel war die diskrete Überführung einer älteren Boeing 707 an das Staatsoberhaupt eines zentralafrikanischen Landes. Rein juristisch wäre diese Transaktion kaum möglich gewesen: Die Person stand auf internationalen Embargo- und Sanktionslisten, durfte nicht in die USA einreisen und hätte offiziell keine Geschäfte mit westlichen Unternehmen abschließen dürfen.
Wie die Übergabe dennoch rechtssicher, diplomatisch tragfähig und ohne öffentliche Reibung stattfinden konnte, bleibt auch Jahrzehnte später unausgesprochen. Entscheidend ist nur: Solche Lösungen entstehen nicht aus einem Lehrbuch, sondern aus persönlichen Beziehungen, kulturellem Verständnis und diplomatischer Präzisionsarbeit.
Die navigatorische Überführung der Maschine über die klassische Südatlantikroute – von New York über Fernando de Noronha und Dakar bis zu einem großen internationalen Flughafen in Zentralafrika – war fast der einfache Teil der Mission. Dass ich für das INS das navigatorische Backup übernahm, gehörte dazu. Die eigentliche Herausforderung lag im diplomatischen Rahmen – nicht im Fliegen.
Diplomatie als operative Fähigkeit in der Luftfahrt
Konflikte eskalieren in der Luftfahrt selten wegen Technik, aber häufig wegen Kommunikationsbrüchen, kultureller Fehlwahrnehmungen oder Missachtung lokaler Erwartungen. Diplomatische Kompetenz bedeutet in diesem Umfeld:
- kulturell präzise zu kommunizieren,
- Eskalationen zu vermeiden, bevor sie entstehen,
- Verhandlungen gesichtswahrend zu führen,
- und trotz Druck ruhig und lösungsorientiert zu bleiben.
Diese Mischung aus Navigation, Diplomatie und Krisenintelligenz prägt meine Arbeit bis heute – ob gegenüber Airlines, Flughäfen, Herstellern oder in der Kommunikation mit Behörden.
Was Mandanten heute davon haben
Viele luftfahrtbezogene Krisen besitzen eine kulturelle, persönliche oder politische Dimension, die nicht mit rein juristischen Mitteln lösbar ist. Mandanten profitieren davon, dass ich:
- in der arabischen und zentralafrikanischen Luftfahrtwelt gut vernetzt und persönlich vertraut bin,
- Zugang zu Entscheiderkreisen habe, die anderen verschlossen bleiben,
- Situationen deeskalieren kann, ohne Gesichtsverlust zu erzeugen,
- und Konflikte häufig diplomatisch lösen kann, bevor sie juristisch werden.
Kurz gesagt: Ich navigiere auf schwierigem Terrain – technisch, kulturell und diplomatisch.