Security-Chef außer Kontrolle

Wenn der Leiter der Flughafensicherheit selbst zum Täter wird – und die Geschäftsführung trotzdem die Kontrolle behält.

An einem großen deutschen Verkehrsflughafen nutzte der operative Chef des Sicherheitsdienstes seine Stellung, um systematisch Privatfahrzeuge auf Kosten der Flughafengesellschaft zu betanken – inklusive der Fahrzeuge von Mitarbeitern und Freunden. Am Ende stand ein bewaffneter Zugriff in der Nacht, ein umfassendes Geständnis und eine fristlose Kündigung – ohne öffentliche Eskalation.

Der Fall in Kürze

In großen Organisationen ist eine gewisse „Selbstbedienungsmentalität“ nichts Unbekanntes – gerade im Flughafenumfeld, wo Crews oder Wartungspersonal Zugriff auf hochwertiges Material haben. In diesem Fall war die Qualität jedoch eine andere: Der operative Leiter des Sicherheitsdienstes nutzte kontrollfreie Räume und schwache Abläufe im Backoffice aus, um sich und seinem Umfeld Vorteile zu verschaffen.

Sein Modus Operandi war erstaunlich einfach: Er teilte sich selbst regelmäßig zum nächtlichen Streifendienst ein. Auf diesen Runden durch das Verwaltungsgebäude nahm er kurzzeitig Firmen-Tankkarten aus den Schreibtischen der Führungskräfte an sich, betankte an der Flughafen-eigenen Tankstelle auf dem Gelände die Privatfahrzeuge von sich, Untergebenen und Freunden – und legte die Karten anschließend unauffällig zurück.

Die eigentliche Schwachstelle lag nicht nur beim Täter, sondern im System: Die Führungskräfte prüften ihre monatlichen Tankabrechnungen offenkundig nicht oder nur oberflächlich. Die Mittelabflüsse waren buchhalterisch erfasst – aber niemand fragte sich, warum auf seine Tankkarte so viel getankt wurde.

Executive Lesson 1: Sensible Ressourcen (Fuel, Zugangsmedien, Sonderrechte) brauchen nicht nur technische Sicherung, sondern auch eine minimale Management-Aufmerksamkeit in den Abrechnungen.

Auslöser: ein anonymer Hinweis, der fast verpufft wäre

Auffällig wurde der Fall nicht durch interne Kontrollen, sondern durch eine private Eskalation: Der Sicherheitschef provozierte seine Lebensgefährtin massiv – und sie kannte die komplette Konstruktion, weil auch ihr Fahrzeug regelmäßig kostenlos aufgetankt wurde. Aus dieser Konstellation heraus ging bei der Flughafenverwaltung ein anonymer Hinweis ein.

Die Polizei lehnte es ab, allein aufgrund dieses anonymen Hinweises tätig zu werden. Damit stand die Geschäftsführung vor einem klassischen Dilemma: Der Verdacht war konkret, die Beweislage aber noch nicht gerichtsverwertbar. Gleichzeitig bestand die Gefahr, dass eine offene Konfrontation den Täter warnen und Beweise vernichten würde.

Lösung: Internes MEK statt öffentlicher Großeinsatz

Die Geschäftsführung schaltete mich ein. Über mein Netzwerk zog ich ein „privates MEK“ hinzu – ehemalige Angehörige polizeilicher Mobilen Einsatzkommandos, die heute völlig legal und hochdiskret Observationen durchführen. Meine Rolle: Senior Advisor und Schnittstelle zwischen Geschäftsführung, Personal, Rechtsabteilung und den operativen Observationskräften.

Quartier bezog ich in einer Suite im Flughafen-Hotel – mit Kommunikations- und Observationstechnik so gut ausgestattet wie der Nebenraum einer Präsidentensuite bei Staatsbesuch. Von dort aus wurden die Observationen gesteuert: Ziel war es, den Security-Chef belastbar zu dokumentieren, bevor er ein Gefühl für die Ermittlungen entwickelte.

Nach einigen Einsätzen hatte das Team ausreichend Bild- und Bewegungsdokumentation zusammen, um den Tankkarten- Missbrauch gerichtsfest nachweisen zu können. Geplant war zunächst ein Zugriff „auf frischer Tat“ beim nächsten Betankungsvorgang auf dem Flughafengelände.

Executive Lesson 2: Wenn Strafverfolgungsbehörden bei anonymen Hinweisen noch zögern, kann eine diskrete, externe Aufklärungsschicht die notwendige Brücke schlagen – ohne Mitarbeiter unnötig früh zu alarmieren.

Eskalation in der Nacht: Zugriff im Crew-Shop

Am Abend des geplanten Zugriffs erweiterte der Sicherheitschef sein Deliktsspektrum: Er drang in ein Ladengeschäft auf dem Flughafengelände ein, in dem Angehörige von Fluggesellschaften zu rabattierten Konditionen einkaufen können. Aus einer „internen Vermögensschädigung“ wurde damit ein klassischer Einbruch in einen sensiblen Bereich des Flughafens.

Der Zugriff erfolgte gegen 2:00 Uhr morgens – und verlief deutlich brisanter als erwartet: Der Sicherheitschef war mit einer scharfen Schusswaffe bewaffnet. Das MEK-Team konnte ihn dennoch kontrolliert und ohne Gefährdung Unbeteiligter festnehmen. Nachdem wir ihn hatten, fing ich an, mich intensiv mit ihm zu unterhalten.

Gegen 6:00 Uhr morgens lagen bereits vor:

Executive Lesson 3: Bei Delikten im sicherheitsrelevanten Bereich entscheidet die Geschwindigkeit: Je schneller intern sauber aufgeklärt und gehandelt wird, desto geringer sind Reputations-, Haftungs- und aufsichtsrechtliche Folgewirkungen.

Lehren für Geschäftsführung und Aufsichtsorgane

Aus Sicht von Geschäftsführung und Aufsichtsgremien eines Flughafens lassen sich aus diesem Fall mehrere klare Linien ziehen:

In diesem Mandat konnte der Flughafen die Angelegenheit intern klären, den Sicherheitsdienst neu aufstellen und gegenüber Behörden und Aufsichtsgremien dokumentieren, dass Verdachtsmomente ernst genommen und konsequent abgearbeitet wurden – bevor die Presse überhaupt etwas davon erfuhr.

Kontakt in Sicherheits- und Flughafenmandaten

Wenn Sie als Flughafen-Geschäftsführung oder -Aufsichtsorgan mit Auffälligkeiten im Bereich Security, internen Vermögensdelikten oder anonymen Hinweisen konfrontiert sind, stehe ich für eine vertrauliche Erstbesprechung zur Verfügung – bei Bedarf kurzfristig.

Kontakt:
E-Mail: martin@heynert.com
Telefon: Büro +49.391.5982-243, Mobil +49.171.4135269

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