Der Fall in Kürze
In großen Organisationen ist eine gewisse „Selbstbedienungsmentalität“ nichts Unbekanntes – gerade im Flughafenumfeld, wo Crews oder Wartungspersonal Zugriff auf hochwertiges Material haben. In diesem Fall war die Qualität jedoch eine andere: Der operative Leiter des Sicherheitsdienstes nutzte kontrollfreie Räume und schwache Abläufe im Backoffice aus, um sich und seinem Umfeld Vorteile zu verschaffen.
Sein Modus Operandi war erstaunlich einfach: Er teilte sich selbst regelmäßig zum nächtlichen Streifendienst ein. Auf diesen Runden durch das Verwaltungsgebäude nahm er kurzzeitig Firmen-Tankkarten aus den Schreibtischen der Führungskräfte an sich, betankte an der Flughafen-eigenen Tankstelle auf dem Gelände die Privatfahrzeuge von sich, Untergebenen und Freunden – und legte die Karten anschließend unauffällig zurück.
Die eigentliche Schwachstelle lag nicht nur beim Täter, sondern im System: Die Führungskräfte prüften ihre monatlichen Tankabrechnungen offenkundig nicht oder nur oberflächlich. Die Mittelabflüsse waren buchhalterisch erfasst – aber niemand fragte sich, warum auf seine Tankkarte so viel getankt wurde.
Auslöser: ein anonymer Hinweis, der fast verpufft wäre
Auffällig wurde der Fall nicht durch interne Kontrollen, sondern durch eine private Eskalation: Der Sicherheitschef provozierte seine Lebensgefährtin massiv – und sie kannte die komplette Konstruktion, weil auch ihr Fahrzeug regelmäßig kostenlos aufgetankt wurde. Aus dieser Konstellation heraus ging bei der Flughafenverwaltung ein anonymer Hinweis ein.
Die Polizei lehnte es ab, allein aufgrund dieses anonymen Hinweises tätig zu werden. Damit stand die Geschäftsführung vor einem klassischen Dilemma: Der Verdacht war konkret, die Beweislage aber noch nicht gerichtsverwertbar. Gleichzeitig bestand die Gefahr, dass eine offene Konfrontation den Täter warnen und Beweise vernichten würde.
Lösung: Internes MEK statt öffentlicher Großeinsatz
Die Geschäftsführung schaltete mich ein. Über mein Netzwerk zog ich ein „privates MEK“ hinzu – ehemalige Angehörige polizeilicher Mobilen Einsatzkommandos, die heute völlig legal und hochdiskret Observationen durchführen. Meine Rolle: Senior Advisor und Schnittstelle zwischen Geschäftsführung, Personal, Rechtsabteilung und den operativen Observationskräften.
Quartier bezog ich in einer Suite im Flughafen-Hotel – mit Kommunikations- und Observationstechnik so gut ausgestattet wie der Nebenraum einer Präsidentensuite bei Staatsbesuch. Von dort aus wurden die Observationen gesteuert: Ziel war es, den Security-Chef belastbar zu dokumentieren, bevor er ein Gefühl für die Ermittlungen entwickelte.
Nach einigen Einsätzen hatte das Team ausreichend Bild- und Bewegungsdokumentation zusammen, um den Tankkarten- Missbrauch gerichtsfest nachweisen zu können. Geplant war zunächst ein Zugriff „auf frischer Tat“ beim nächsten Betankungsvorgang auf dem Flughafengelände.
Eskalation in der Nacht: Zugriff im Crew-Shop
Am Abend des geplanten Zugriffs erweiterte der Sicherheitschef sein Deliktsspektrum: Er drang in ein Ladengeschäft auf dem Flughafengelände ein, in dem Angehörige von Fluggesellschaften zu rabattierten Konditionen einkaufen können. Aus einer „internen Vermögensschädigung“ wurde damit ein klassischer Einbruch in einen sensiblen Bereich des Flughafens.
Der Zugriff erfolgte gegen 2:00 Uhr morgens – und verlief deutlich brisanter als erwartet: Der Sicherheitschef war mit einer scharfen Schusswaffe bewaffnet. Das MEK-Team konnte ihn dennoch kontrolliert und ohne Gefährdung Unbeteiligter festnehmen. Nachdem wir ihn hatten, fing ich an, mich intensiv mit ihm zu unterhalten.
Gegen 6:00 Uhr morgens lagen bereits vor:
- ein vollumfängliches Geständnis,
- eine Liste aller Mittäter und Mitwisser im Umfeld des Sicherheitschefs,
- seine handschriftliche fristlose arbeitsrechtliche Kündigung unter Verzicht auf jegliche Rechtsmittel.
Lehren für Geschäftsführung und Aufsichtsorgane
Aus Sicht von Geschäftsführung und Aufsichtsgremien eines Flughafens lassen sich aus diesem Fall mehrere klare Linien ziehen:
- „Tone at the top“ der Sicherheit: Wer operative Sicherheitsfunktionen leitet, braucht eine besonders enge Compliance-Klammer – nicht nur Vertrauen und Dienstwaffe.
- Kontrolllücken bei Nebenkosten: Routinen bei scheinbar „kleinen“ Sachkosten (Fuel, Parkberechtigungen, Zugangskarten) sind häufig der blinde Fleck in ansonsten hochregulierten Bereichen.
- Umgang mit anonymen Hinweisen: Systeme für Whistleblower-Hinweise sind wertlos, wenn der Folgeprozess nicht klar definiert ist – inklusive externer Optionen, falls Behörden (noch) nicht tätig werden.
- Diskrete Aufklärung vor öffentlicher Krise: Eine saubere, interne Aufarbeitung mit externer Unterstützung kann verhindern, dass ein interner Täterfall zum öffentlichen Sicherheits- oder Vertrauensdesaster wird.
In diesem Mandat konnte der Flughafen die Angelegenheit intern klären, den Sicherheitsdienst neu aufstellen und gegenüber Behörden und Aufsichtsgremien dokumentieren, dass Verdachtsmomente ernst genommen und konsequent abgearbeitet wurden – bevor die Presse überhaupt etwas davon erfuhr.